Luna Abreviado
Inicio / Luis Luna /Luna AbreviadoLuis Luna Matiz (Bogotá, 1958) ist ein kolumbianischer Künstler, der zwischen Villa de Leyva und Bogotá lebt und arbeitet. Seine erste Ausbildung absolvierte er in Medizin an der Pontificia Universidad Javeriana (1976–1981), motiviert durch ein frühes Interesse an der Psychoanalyse. Anschließend studierte er Kunst an der Universidad Jorge Tadeo Lozano und später im Programm Art in Context an der Hochschule der Künste in West-Berlin (1983–1988). Dieser Ausbildungsweg – zwischen Wissenschaft, symbolischem Denken und künstlerischer Praxis – prägte den interdisziplinären Charakter seines Werkes.
Seit den späten 1980er Jahren entwickelt sich seine künstlerische Praxis um die Beziehung zwischen Bild, Text und kulturellem Gedächtnis. Seine frühen Arbeiten standen im Dialog mit dem konstruktiven Denken des uruguayischen Künstlers Joaquín Torres-García, während spätere Forschungsreisen nach Mexiko ihn dazu führten, mit mythischen und kolonialen Quellen wie dem Popol Vuh und den Chroniken der Indias zu arbeiten. 1991 zog er mit einem Stipendium des Fulbright Program nach New York und erwarb 1994 einen Master of Fine Arts an der School of Visual Arts. Seitdem integriert seine Arbeit Fragmente literarischer, philosophischer und historischer Texte in Malerei, Assemblagen und Installationen.
Reisen und Feldforschung bilden zentrale Elemente seiner künstlerischen Arbeit. 1994 bereiste er den Amazonas von Leticia bis Belém do Pará – eine Erfahrung, aus der das Projekt La Ruta del Caucho – Amazonas hervorging, das im Museo de Arte Moderno de Bogotá präsentiert wurde. In denselben Jahren entwickelte er die Serie La Ruta de la Seda, die aus Reisen durch Zentralasien und die Türkei hervorging.
Nach seiner Rückkehr nach Kolumbien im Jahr 1994 richtete er sein Atelier in Villa de Leyva ein, wo er sich intensiv mit der Literatur der Nueva Granada sowie mit verschiedenen hermetischen Traditionen beschäftigte. Seine Arbeiten beziehen gnostische Texte, alchemistische Motive und die Bildwelt von Francisco de Goya ein und verbinden diese mit zeitgenössischen visuellen Strukturen. In mehreren neueren Serien verwendet er geometrische Strukturen, die von den Parkettierungen von Roger Penrose inspiriert sind und in Eisenplatten montiert werden, die er Entropien nennt. Diese Arbeiten eröffnen ein Feld von Korrespondenzen zwischen alten kosmologischen Vorstellungen und bestimmten zeitgenössischen Modellen wissenschaftlichen Denkens, in denen Ordnung, Fragmentierung und Transformation zu formalen Prinzipien werden.
In Medien wie Malerei, Druckgrafik, Assemblage, ortsspezifischer Installation und Technologien wie Augmented Reality entwickelt Luna komplexe visuelle Systeme, in denen Literatur, Geschichte, Wissenschaft und symbolische Traditionen zusammenwirken. Sein Werk schlägt eine erweiterte Lesart des lateinamerikanischen kulturellen Gedächtnisses vor, in der unterschiedliche Zeitlichkeiten und Wissensformen innerhalb einer gemeinsamen visuellen Struktur miteinander verflochten sind.